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Europa

Zugunglück südlich von Madrid: Verkehrsminister sieht Fehler der Leitstelle

Nach dem Zusammenstoß zweier Hochgeschwindigkeitszüge südlich von Madrid sind mindestens 68 Menschen tot. Verkehrsminister Óscar Puente führt das Unglück nach ersten Erkenntnissen auf menschliches Versagen in der Leitstelle zurück. Am Anfang stand der Ausfall des automatischen Sicherungssystems. Es ist nach bisherigem Stand der zweite schwere Unfall dieses Jahres auf derselben Strecke.

2 Min. Lesezeit
Rot-weißes Absperrband im Vordergrund einer Zugunfallstelle. Dahinter stehen entgleiste Hochgeschwindigkeitszüge von Iryo und Renfe sowie Einsatzkräfte auf den Gleisen. Ein unscharfer Beamter der spanischen Policía Nacional blickt auf die Unfallstelle.
Foto: LePost

Ein Hochgeschwindigkeitszug ist am Morgen auf der Fernstrecke Madrid–Sevilla auf einen stehenden Zug aufgefahren. Mindestens 68 Menschen starben, mehr als 100 wurden verletzt.

Als Ursache nennt Verkehrsminister Óscar Puente nach ersten Erkenntnissen menschliches Versagen in der Leitstelle. Am Anfang der Kette stand jedoch ein technischer Defekt.

Gegen 8.30 Uhr fiel in der Region Kastilien-La Mancha das automatische Sicherungssystem aus. Das computergesteuerte System regelt, welche Züge auf der Strecke stoppen oder abbremsen, wenn der Abstand zwischen zwei Zügen zu gering wird.

Nach dem Ausfall kamen alle Züge auf einem 63 Kilometer langen Streckenabschnitt zum Stehen. Nach Puentes Worten wurden insgesamt sechs Züge zunächst gestoppt. Die Mitarbeitenden der Leitstelle in Madrid übernahmen daraufhin die Kontrolle.

Dann unterlief ihnen nach bisherigem Stand der entscheidende Fehler. Ein Fahrdienstleiter in der Leitstelle am Madrider Bahnhof Atocha wies den AVE-Zug an, mit normaler Geschwindigkeit weiterzufahren. Für den AVE stand das Signal auf Rot.

25 Kilometer voraus stand ein Iryo-Zug auf dem Gleis. Der AVE fuhr mit etwa 200 Kilometern pro Stunde und prallte gegen neun Uhr auf ihn. Die Unfallstelle liegt nach einer Angabe rund 120 Kilometer südlich von Madrid, die Regionalregierung von Kastilien-La Mancha nennt etwa 150 Kilometer.

Puente bezeichnete die Entscheidung der Leitstelle am Unfallort als „unerklärlich“. Zwischen dem Ausfall des Systems und dem Aufprall lag knapp eine halbe Stunde. Die Kollision ereignete sich auf gerader Strecke.

Technischer Defekt und menschliches Versagen schließen sich damit nicht aus. Der Ausfall des Sicherungssystems stand am Anfang, die Anweisung an den AVE-Zug machte aus dem Stillstand eine Kollision. Auch die Rede von einer falschen Ansage der Leitstelle beschreibt diesen Schritt.

Die Schilderung beruht auf ersten Erkenntnissen und auf Angaben des Verkehrsministers. Ein Ermittlungsergebnis, das den Hergang unabhängig bestätigt, lag zunächst nicht vor.

Die Zahl der Opfer stieg im Tagesverlauf. Die Regionalregierung von Kastilien-La Mancha nannte zunächst mindestens 64 Tote und etwa 80 Verletzte. Am Nachmittag sprachen die Behörden von mindestens 68 Toten und mehr als 100 Verletzten.

Emiliano García-Page, Präsident der Region Kastilien-La Mancha, sagte, die Opferzahl könne noch weiter steigen. Eine Sprecherin der Regionalregierung ging davon aus, dass die Zahl der Toten steigen werde.

Spaniens Regierungschef Sánchez nannte das Unglück „inakzeptabel“. Er rief eine dreitägige Staatstrauer aus.

Berichten zufolge ist es das zweite schwere Unglück des Jahres auf dieser Strecke. Im Januar starben bei einer Zugkollision auf derselben Linie 46 Menschen.

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Quellen(5)
  1. DeutschlandfunkMindestens 68 Tote - Ursache für Zugunglück in Spanien wohl menschliches Versagen · DokumentDas sagte Verkehrsminister Puente auf der Grundlage erster Erkenntnisse. Zwei Hochgeschwindigkeitszüge waren gestern südlich von Madrid auf gerader Strecke kollidiert. Außer den Toten gab es 100 Verletzte. Es ist das zweite schwere Unglück in diesem Jahr. Auf der gleichen Strecke waren erst im Januar 46 Menschen bei einer Zugkollision gestorben. Spaniens Regierungschef Sánchez nannte das "inakzeptabel". Er rief eine dreitägige Staatstrauer aus.
  2. Deutsche WelleVerheerendes Zugunglück in Spanien - Mindestens 64 Tote · DokumentNach dem Zusammenstoß zweier Hochgeschwindigkeitszüge rund 150 Kilometer südlich von Madrid korrigieren die Behörden die Zahl erneut nach oben. Nach neuesten Angaben der spanischen Regionalregierung von Kastilien-La Mancha kamen mindestens 64 Menschen ums Leben. Außerdem gebe es etwa 80 Verletzte. Die Opferzahl könne noch weiter steigen, sagte der Präsident der Region Emiliano García-Page.
  3. tagesschau.deMindestens 68 Tote nach Zugunglück in Spanien28.10.2026 · 17:11 Uhr · DokumentDie Zahl der Toten nach dem schweren Zugunglück in Spanien ist auf 68 gestiegen. Ein Hochgeschwindigkeitszug war am Morgen auf einen stehenden Zug aufgefahren - laut ersten Ermittlungen vermutlich wegen einer falschen Ansage der Leitstelle. [...] Nach Angaben der Behörden vom Nachmittag sind mindestens 68 Menschen ums Leben gekommen sein. Mehr als 100 Menschen wurden verletzt. Eine Sprecherin der Regionalregierung sagte, es sei davon auszugehen, dass die Zahl der Toten noch steigen werde.
  4. tagesschau.deWie konnte es zu dem schweren Zugunglück kommen?28.10.2026 · 21:54 Uhr · DokumentKlar ist, am Anfang der Tragödie stand ein technischer Defekt. Ersten Erkenntnissen zufolge war in der Region Kastilien-La Mancha das automatische Sicherungssystem ausgefallen. Das computergesteuerte System reguliert, welche Züge auf der Fernstrecke Madrid-Sevilla stoppen oder abbremsen, wenn der Abstand zwischen zwei Zügen zu gering wird. [...] Das automatische System fiel laut Verkehrsminister Óscar Puente um 8.30 Uhr aus. Daraufhin seien alle Züge auf dem 63 Kilometer langen Streckenabschnitt zum Stehen gekommen. Die Mitarbeitenden in der Leitstelle in Madrid übernahmen daraufhin die Kontrolle.
  5. FAZZugKollision in Spanien: Verkehrsminister: Entscheidung der Leitstelle „unerklärlich“28.10.2026 · 16:12 Uhr · DokumentDie jüngste Kollision wurde nach ersten Erkenntnissen durch ein menschliches Versagen in der Leitstelle am Madrider Bahnhof Atocha verursacht. Gegen 8.30 Uhr war das automatische Zugsteuerungssystem ausgefallen. Ein Fahrdienstleiter wies den AVE-Zug wenig später an, mit normaler Geschwindigkeit weiterzufahren, obwohl 25 Kilometer voraus – aus noch ungeklärter Ursache – ein Iryo-Zug auf dem Gleis stand. Verkehrsminister Puente bezeichnete am Unfallort die Entscheidung der Leitstelle als „unerklärlich“. Nach der IT-Störung waren nach seinen Worten insgesamt sechs Züge zunächst gestoppt worden. Auch für den AVE war das Signal rot, aber er durfte dann mit etwa 200 Kilometern in der Stunde weiterfahren. Er prallte gegen neun Uhr, etwa 120 Kilometer südlich von Madrid , auf den Iryo-Zug.

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