Audi baut erstes US-Werk für vier Milliarden Dollar – Döllners Trump-Auftritt sorgt für Kritik
Audi errichtet sein erstes Werk in den USA, im Bundesstaat Georgia. Verkündet wurde das Projekt bei einer Wahlkampfveranstaltung von Donald Trump, auf der Audi-Chef Gernot Döllner auftrat. Dafür kritisieren ihn der niedersächsische Ministerpräsident Olaf Lies und Beschäftigte im VW-Intranet.

Audi baut sein erstes Werk in den USA. Die Investition von vier Milliarden US-Dollar (3,6 Milliarden Euro) verkündete Präsident Donald Trump am Samstag bei einer Wahlkampfveranstaltung in Georgia. An seiner Seite stand Audi-Chef Gernot Döllner.
Der Autohersteller bestätigte den Plan. Rund 4500 Arbeitsplätze sollen entstehen, der Baubeginn ist für das kommende Jahr vorgesehen.
Die Produktion von bis zu 200.000 Fahrzeugen pro Jahr soll Anfang der 2030er-Jahre anlaufen. Zwischen Baubeginn und Produktionsstart liegen damit mehrere Jahre.
Beim Standort unterscheiden sich die Angaben. Audi nennt die Nähe von Macon, andere Darstellungen der Ankündigung sprechen von Perry. Beide Orte liegen demnach in Georgia.
Der Rahmen der Verkündung gab dem Projekt politisches Gewicht. Georgia ist für Trumps Republikanische Partei ein wichtiger Bundesstaat bei den Zwischenwahlen, die in der Woche nach der Veranstaltung anstanden.
Döllner trat gemeinsam mit Trump auf und dankte ihm für dessen Unterstützung. Genau dieser Auftritt löste Kritik aus.
Olaf Lies, niedersächsischer Ministerpräsident, SPD-Politiker und Mitglied im Aufsichtsrat von Volkswagen, äußerte sich scharf. „Eine Wahlkampfveranstaltung kann nicht der richtige Ort sein, eine solche Investition zu verkünden“, erklärte er.
Der Chef der VW-Tochter Audi sei „Teil einer politischen Inszenierung“ geworden, sagte Lies. Das habe Befremden ausgelöst.
Auch im Konzern sorgt der Auftritt für Ärger. Unter einem Beitrag im VW-Intranet über Döllners Ankündigung entwickelte sich nach Medienberichten eine Diskussion mit mehr als 200 Kommentaren. Mehrere Mitarbeiter äußerten sich offenbar teils sehr negativ über den Audi-Chef.
Für einen Intranet-Beitrag bei VW ist das ungewöhnlich viel.
Der Wirtschaftswissenschaftler Christian Strenger weist die Vorstellung zurück, Unternehmenschefs müssten vor allem ihren Aktionären und dem Gewinn dienen. Manager wie Döllner seien nach seiner Einschätzung weit darüber hinaus verpflichtet, sagte er der Deutschen Presse-Agentur.
„Die Vorgabe ist, dass man mit allen Stakeholdern – den Aktionären, Mitarbeitern, der Umwelt, der Politik – ein nachhaltig tragendes Verhältnis aufbauen muss“, so Strenger. Stakeholder sind alle Gruppen, die ein Unternehmen betrifft oder die von ihm betroffen sind. Sich nur auf die Aktionäre zu konzentrieren, „geht gar nicht“.
Die Investition selbst ist damit nicht der Streitpunkt. Audi hat sie bestätigt, Volumen, Arbeitsplätze und Zeitplan sind benannt. Die Kritik richtet sich gegen Ort und Form der Verkündung: eine Wahlkampfbühne wenige Tage vor den Zwischenwahlen.
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Quellen(4)
- Handelsblatt (dpa)Audi-CEO mit Trump: Experte zu Audi: Chefs nicht nur Aktionären verpflichtet · DokumentUnternehmenschefs wie Audi-CEO Gernot Döllner sind nach Einschätzung von Wirtschaftswissenschaftler Christian Strenger viel mehr als nur ihren Aktionären und dem Gewinn des Unternehmens verpflichtet. „Die Vorgabe ist, dass man mit allen Stakeholdern - den Aktionären, Mitarbeitern, der Umwelt, der Politik - ein nachhaltig tragendes Verhältnis aufbauen muss“, sagte Strenger der Deutschen Presse-Agentur. Sich nur auf die Aktionäre zu konzentrieren „geht gar nicht“.
- Deutsche WelleWas hinter Audis Vier-Milliarden-Dollar-Deal mit Trump steckt · DokumentUS-Präsident Donald Trump kündigte die Investition am Samstag während einer Wahlkampfveranstaltung in Georgia an, einem wichtigen Bundesstaat für seine Republikanische Partei bei den Zwischenwahlen in der kommenden Woche. Audi bestätigte den Plan und gab bekannt, sein erstes US-Werk in der Nähe von Macon, Georgia, zu errichten. Die Kosten belaufen sich auf vier Milliarden US-Dollar (3,6 Milliarden Euro), und es sollen rund 4500 Arbeitsplätze entstehen. Der deutsche Automobilhersteller erklärte, der Baubeginn sei für das nächste Jahr geplant, die Produktion von bis zu 200.000 Fahrzeugen pro Jahr solle Anfang der 2030er-Jahre anlaufen.
- Deutsche WelleAudi-Chef Döllner nach Auftritt mit Trump in der Kritik · DokumentDer niedersächsische Ministerpräsident und VW-Aufsichtsrat Olaf Lies kritisierte den Auftritt von Gernot Döllner scharf. "Eine Wahlkampfveranstaltung kann nicht der richtige Ort sein, eine solche Investition zu verkünden", erklärte der SPD-Politiker. Der Chef der VW-Tochter Audi sei "Teil einer politischen Inszenierung" geworden, was Befremden ausgelöst habe. Trump hatte am Wochenende den Bau eines neuen Audi-Werks in Perry im US-Bundesstaat Georgia für rund vier Milliarden Dollar angekündigt. Döllner trat dabei gemeinsam mit US-Präsident Donald Trump auf und dankte ihm für seine Unterstützung.
- Golem.deAuftritt mit Trump: VW löscht Mitarbeiter-Kommentare zu Audi-Chef im Intranet27.10.2026 · 16:47 Uhr · DokumentDer Ärger über den Auftritt des Audi-Chefs Gernot Döllner auf einer Wahlkampfveranstaltung von Donald Trump hat dazu geführt, dass eine Diskussion im VW-Intranet eskaliert ist. Mitarbeiter redeten dem Spiegel zufolge unter einem Beitrag, der von Döllners Ankündigung eines Audi-Werks in den USA handelte, offenbar teils sehr schlecht über Döllner. Die Diskussion soll mehr als 200 Kommentare umspannt haben, was für einen Beitrag im Intranet von VW ungewöhnlich viele seien. Die Beiträge werden dort unter Klarnamen veröffentlicht.
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