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Kino

Filmproduzentin Regina Ziegler mit 82 Jahren gestorben

60 D-Mark Startkapital, dazu geliehenes Geld: So fing 1973 die Firma an, aus der mehr als 500 Filme hervorgingen. Am Sonntagmorgen ist Regina Ziegler in Berlin gestorben, mit 82 Jahren.

3 Min. Lesezeit
Schwarz-Weiß-Porträt der Film- und Fernsehproduzentin Regina Ziegler bei einem öffentlichen Auftritt.
Foto: LePost

Regina Ziegler ist tot. Die Film- und Fernsehproduzentin starb am frühen Sonntagmorgen in Berlin, im Alter von 82 Jahren.

Mitgeteilt haben das ihre Tochter Tanja Ziegler und das Unternehmen Ziegler Film. „Mit großer Bestürzung und tiefer Trauer“ müsse man den Tod der Gründerin mitteilen, heißt es in der Erklärung.

Mit ihr verliere man nicht nur die Gründerin, sondern „eine außergewöhnliche Persönlichkeit, die die deutsche Film- und Fernsehlandschaft über Jahrzehnte geprägt hat“. Mehr als 500 Produktionen tragen ihren Namen.

Von Quedlinburg ins Weserbergland

Geboren wurde Ziegler am 8. März 1944 in Quedlinburg in Sachsen-Anhalt.

Ihre Mutter war Journalistin, ihr Vater Brunnenbauer. Am Ende des Zweiten Weltkriegs floh die Familie ins Weserbergland.

In Berlin begann sie ein Jurastudium und brach es nach einem Semester ab. Danach machte sie eine Ausbildung zur Wirtschaftsdolmetscherin, arbeitete aber nie in dem Beruf.

Stattdessen ging sie zum Sender Freies Berlin, als Produktionsassistentin. Dort lernte sie den Regisseur Wolf Gremm kennen, ihren späteren Ehemann.

60 D-Mark Startkapital

Anfang der siebziger Jahre arbeitete sie als Produktionsleiterin für Rosa von Praunheim. Dort sammelte sie die ersten Erfahrungen im Produzieren.

1973 sorgte sie für die Finanzierung von Gremms erstem Kinofilm. „Ich dachte, ich wäre tot“ wurde mit dem Bundesfilmpreis ausgezeichnet.

Im selben Jahr gründete sie ihre eigene Firma, mit 29 Jahren. Das Startkapital betrug 60 D-Mark, der Rest war geliehen.

Diese Zahl hat sie später selbst erzählt, in ihrer Autobiografie von 2017.

Der Titel lautet „Geht nicht gibt’s nicht. Mein filmreifes Leben“.

Darin beschreibt sie auch die Hürden in einem Geschäft, das damals fast vollständig Männern gehörte. Ihr Lebensmotto zitierte sie oft selbst: „Wenn ich durch die Wüste gehe, will ich auch Spuren hinterlassen.“

Cannes, New York, zweimal Oscar-Nominierung

Die Liste der Auszeichnungen beginnt 1977 mit der Goldenen Schale für „Heinrich“ unter der Regie von Helma Sanders-Brahms. 1980 folgte der Jury-Preis des Filmfests in Cannes für „Malou“.

1990 erhielt der Dokumentarfilm „November Days“ den Adolf-Grimme-Preis. 1994 kam der Denver Obelisk für ihr Filmschaffen dazu.

Zweimal war eine Ziegler-Produktion für den Oscar nominiert: „Fabian“ und „The Dutch Master“. Für ihr Lebenswerk bekam sie 1999 den Adolf-Grimme-Preis.

Im April 2006 widmete ihr das Museum of Modern Art in New York eine Retrospektive. Das ist für eine deutsche Produzentin die seltenste Form der Anerkennung.

2016 erhielt sie beim Deutschen Filmpreis den Ehrenpreis für herausragende Verdienste. Iris Berben, Präsidentin der Deutschen Filmakademie, attestierte ihr dabei „Leidenschaft, Energie, Charme, Durchsetzungskraft und eine unendlich große Liebe zu ihrem Metier“.

Vom Autorenfilm bis zum Samstagabend

Ihre Partner kamen aus sehr verschiedenen Ecken des deutschen Films. Sie arbeitete unter anderem mit Rainer Werner Fassbinder, Ulrich Schamoni und Volker Schlöndorff.

Mit Schlöndorff produzierte sie 2017 „Rückkehr nach Montauk“ nach dem späten Roman von Max Frisch. Es war eine deutsch-französisch-irische Produktion, bei der Schlöndorff auch Buch und Regie verantwortete.

Im Fernsehen steht ihr Name für „Weissensee“ in der ARD sowie für „Familie Bundschuh“ und „Kommissarin Heller“ im ZDF. Die eine Reihe ist Komödie, die andere Krimi, die dritte Familiengeschichte über die DDR.

Darin liegt ein Teil der Erklärung für die Zahl 500. Wer über Jahrzehnte produziert, kann sich nicht auf ein Fach beschränken.

Was offen ist

Mit Wolf Gremm war Ziegler bis zu dessen Tod verheiratet, beide lebten in Berlin. Er hatte ihr den entscheidenden Anstoß gegeben, in die Branche zu gehen.

Zum achtzigsten Geburtstag 2024 rühmte das deutsche Feuilleton sie einhellig. Ein Jahr zuvor hatte ihre Firma das fünfzigjährige Bestehen gefeiert.

Ihre Preise reichen damit über fünf Jahrzehnte, von der Goldenen Schale bis zum Ehrenpreis des Deutschen Filmpreises. Dazwischen liegen Autorenkino, Dokumentarfilm, Fernsehserie und Literaturverfilmung.

2023 feierte die Firma ihr fünfzigjähriges Bestehen, ein Jahr später wurde die Gründerin 80. Ziegler Film produziert weiter Kinofilme, Serien und Dokumentationen.

Wie es im Unternehmen nun weitergeht, hat die Familie bislang nicht erklärt. Tochter Tanja Ziegler arbeitet seit Jahren selbst als Produzentin.

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Quellen(3)
  1. tagesschau.deNach mehr als 500 Produktionen: Filmproduzentin Regina Ziegler gestorben · Agentur
  2. DeutschlandfunkProduzentin Regina Ziegler gestorben · Agentur
  3. DIE ZEITDeutsche Filmproduzentin Regina Ziegler gestorben · Agentur

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