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Deutschland

Krawalle in Frankfurt: Polizei sieht kein politisches Motiv

54 Festnahmen, 100 verletzte Polizisten, fünf geplünderte Geschäfte: Nach der Nacht auf Sonntag haben Polizei und Innenministerium in Frankfurt Bilanz gezogen. Sie unterscheiden dabei zwischen zwei Gruppen – und schreiben die Plünderungen nicht den Demonstranten zu.

4 Min. Lesezeit
Zerstörte Schaufensterscheibe eines Geschäfts in der Frankfurter Innenstadt nach den Ausschreitungen. Glassplitter liegen vor dem Laden, im Inneren sind Verkaufsregale zu sehen.
Foto: LePost

Zeitweise hatte die Frankfurter Polizei bis zu 30 Einsatzorte gleichzeitig. Am Sonntagmittag legten Innenminister Roman Poseck (CDU), Polizeipräsident Stefan Müller und Einsatzleiter Erik Hessenmüller die erste Bilanz der Nacht vor.

Sie zählt 54 Festnahmen, 100 verletzte Polizisten und fünf geplünderte Geschäfte. Dazu kommen 87 Strafanzeigen, 1225 Platzverweise und 366 kontrollierte Personen.

Auch Feuerwehr und Rettungskräfte wurden angegriffen.

Zwei Gruppen, zwei Zeitpunkte

Die Polizei trennt den Abend in zwei Teile. Gegen Ende der Gen-Z-Demonstration sei eine kleinere Gruppe gewalttätig geworden, sagte Einsatzleiter Hessenmüller.

Die späteren Ausschreitungen auf der Zeil und in der übrigen Innenstadt schreibt sie dagegen anderen Leuten zu. Bei der Aufarbeitung müsse genau unterschieden werden, wer wann beteiligt gewesen sei.

Tagsüber war der Protest überwiegend friedlich verlaufen. Erst am späten Abend zogen sich Plünderungen und Angriffe auf Einsatzkräfte bis tief in die Nacht.

Was die Polizei über die Festgenommenen sagt

Bei den nächtlichen Randalen handelte es sich nach Einschätzung der Polizei vor allem um junge Männer mit Migrationshintergrund. Die Gruppen träfen sich regelmäßig an Wochenenden in der Innenstadt und seien bekannt, sagte Polizeipräsident Müller.

Eingeordnet habe man sie bislang als „erlebnisorientiert“. Der Samstag habe gezeigt, dass sie auch gewaltbereit seien; ein politisches Motiv sei bei ihnen nicht erkennbar.

Die Festgenommenen sind zwischen 13 und 29 Jahre alt. Sie besitzen nach Angaben von Innenminister Poseck überwiegend die deutsche Staatsangehörigkeit.

Unter ihnen sind Frankfurter, Leute aus anderen Teilen Hessens und aus Nordrhein-Westfalen. Weitere Tatverdächtige hofft die Polizei über Videoaufnahmen zu finden.

Ein Waffengeschäft unter den Zielen

Welche Läden angegriffen wurden, war nach Einschätzung der Beamten eher zufällig. Fünf Geschäfte wurden geplündert, darunter ein Waffengeschäft, in dem die Polizei mehrere Personen festnahm und Schreckschusswaffen sicherstellte.

Möglicherweise hätten sich einige Randalierer an Bildern aus Frankreich orientiert, sagte Müller. Dort hatte es an den Wochenenden zuvor ebenfalls Plünderungen gegeben.

Warum der Einsatz so schwer war

Die Verantwortlichen führten das Ausmaß vor, um die Lage zu erklären. Bis zu 30 Einsatzorte gleichzeitig, dazu ein großes Gebiet mit vielen Straßen, Gassen und Innenhöfen.

Hinzu kam die Zahl der Randalierer. Einsatzkräfte wurden mit Böllern und Molotowcocktails angegriffen.

Bundesweit blieb es weitgehend ruhig

Aufgerufen hatte die Initiative „Gen Z regelt“ zu Protesten in rund 30 deutschen Städten. Frankfurt blieb der einzige Ort mit Ausschreitungen dieser Größenordnung.

In Berlin zählte die Polizei 2700 Menschen am Brandenburger Tor und etwa 3500 bei einem zweiten Zug durch Prenzlauer Berg. Dort kippte die Stimmung am Abend, die Demonstration wurde beendet, und die Beamten kesselten Gruppen ein.

56 Menschen wurden in Prenzlauer Berg festgenommen. „Obwohl das Gros der Versammlung friedlich war, mussten wir bei Straftaten einschreiten“, sagte Polizeisprecher Jörn Iffländer.

Kurz nach Mitternacht sprach die Berliner Polizei von einer beruhigten Lage. „Hier ein Dixi-Klo auf die Straße gezogen, da eine Baustellenabsperrung angezündet“, sagte ein Sprecher, „aber ansonsten eine Halloween-typische Lage.“

Am selben Tag in Frankreich

Den Vergleich mit Frankreich zogen die Frankfurter Beamten nicht zufällig. Dort gingen am selben Samstag zum dritten Mal in Folge Hunderttausende gegen hohe Lebenshaltungskosten und Zustände im Bildungssystem auf die Straße.

Das französische Innenministerium zählte 320.000 Demonstranten, die Veranstalter sprachen von knapp einer Million. Landesweit wurden mehr als 500 Menschen festgenommen.

Poseck: „entsetzlicher Gewaltexzess“

Innenminister Poseck nannte die Nacht einen „entsetzlichen Gewaltexzess“. Für die Einsatzkräfte sei es eine außerordentlich schwierige Nacht gewesen.

Einer der 100 verletzten Beamten wurde schwer verletzt. Er bekam einen Stein ins Gesicht.

Das seien „Bilder, die nicht in unser Stadtbild gehören“, sagte Poseck. Die Zahl der Störer schätzte er auf 1000 bis 1500.

Diese Gruppe sei überwiegend „migrantisch geprägt“ gewesen, sagte der Minister. Zugleich räumte er ein, dass die Festgenommenen mehrheitlich deutsche Staatsangehörige sind.

Es dürfe nun „keine falschen Tabus geben“, forderte er. Er setze „auf Inhaftierungen und abschreckende Strafen“.

Für ihn ist die Nacht eine „Initialzündung für eine härtere Gangart“. Stärker vorgehen will er gegen Strukturen von „gewaltbereiten Menschen mit Migrationshintergrund“, um Gefahren früher zu erkennen.

Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) zeigte sich gegenüber der Deutschen Presse-Agentur schockiert. „Wer sich so verhält wie die Angreifer in der Frankfurter Innenstadt, stellt sich außerhalb unserer Gesellschaft“, sagte er.

Der Oberbürgermeister setzt einen anderen Akzent

Frankfurts Oberbürgermeister Mike Josef (SPD) saß bei derselben Pressekonferenz. Er sei „fassungslos und wütend“, sagte er, „es tut mir weh, unsere Stadt so zu sehen“.

Anders als der Innenminister stellte Josef die Herkunft der mutmaßlichen Täter nicht in den Mittelpunkt. „Mir ist völlig egal, welchen Pass jemand hat oder wo seine Eltern geboren sind“, sagte er.

Wer Gewalt ausübe, müsse die juristischen Folgen tragen. Damit lagen am Sonntagmittag zwei Deutungen derselben Nacht nebeneinander auf dem Podium.

Die Veranstalter distanzieren sich

Die Organisatoren der Demonstration haben sich von den Ausschreitungen distanziert. „Was nach dem Ende der Kundgebungen passiert ist, darauf hatten wir keinen Einfluss“, erklärte ein Sprecher der Initiative „Gen Z regelt“.

Bereits am Samstagabend hatte die Initiative auf Instagram eine Stellungnahme veröffentlicht. Darin distanziert sie sich von „jeglicher Form der Gewalt sowie von gewalttätigen Handlungen anderer Gruppen oder Einzelpersonen“, die nicht Teil der Demonstrationen gewesen seien.

„Wir stehen für friedlichen Protest, demokratische Werte und das Recht, unsere Meinung frei zu äußern“, heißt es weiter. „Gewalt war und ist niemals Teil unserer Bewegung.“

Weitermachen will die Initiative trotzdem. Der Samstag sei nur ein erster Schritt gewesen.

Wie viele der Beteiligten am Ende vor Gericht stehen, ist offen. Die Auswertung der Aufnahmen hat gerade erst begonnen.

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Quellen(3)
  1. tagesschau.deViele Randalierer in Frankfurt wohl ohne politisches Motiv · Agentur
  2. Berliner ZeitungGen-Z-Proteste: Friedlicher Protest am Brandenburger Tor, 56 Festnahmen in Prenzlauer Berg · Agentur
  3. DeutschlandfunkFriedliche Proteste am Tag – Krawalle am Abend · Agentur

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