G20 in Atlanta: Das Gruppenfoto fiel aus
Die Außenminister der G20 beraten in Atlanta über Krisen und Weltwirtschaft. Das traditionelle Gruppenbild wurde abgesagt, weil Europäer nicht neben Sergej Lawrow stehen wollten. Der sprach daraufhin von „Familienfoto-Diplomatie“.

Das traditionelle Gruppenfoto der G20-Außenminister fiel in diesem Jahr aus. Europäische Vertreter wollten nicht gemeinsam mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow posieren.
Damit war die Lage des Treffens im US-Bundesstaat Georgia schon vor dem ersten Tagesordnungspunkt beschrieben. Beraten wird in Atlanta über internationale Krisen und ihre Folgen für die Weltwirtschaft.
Der deutsche Außenminister Johann Wadephul begründete die Absage knapp. Es gebe „keine Normalität mit Russland“.
Rubio nennt die Tagesordnung
Eröffnet hat das Treffen der amerikanische Außenminister Marco Rubio. Er forderte eine stärkere Zusammenarbeit gegen Bedrohungen der Weltwirtschaft.
Wirtschaftliche und geopolitische Krisen bedrohten den globalen Handel, sagte er. Betroffen seien auch die Versorgung mit Energie und Lebensmitteln sowie die freie Schifffahrt.
Die Herausforderungen seien heute vielschichtig und miteinander verwoben. Genauso müssten die Lösungen aussehen.
Im Mittelpunkt stehen zwei Kriege: der russische Angriff auf die Ukraine und der Krieg im Iran. Beide belasten die Weltwirtschaft erheblich.
Den Iran-Krieg hat die US-Regierung gemeinsam mit Israel begonnen. Ihren Partnern hat sie dabei wiederholt mangelnde Unterstützung vorgeworfen.
Lawrow spricht von „Familienfoto-Diplomatie“
Lawrow nannte das einen „arroganten Boykott“. Den Europäern warf er „Familienfoto-Diplomatie“ vor.
„Wenn es für sie vor allem darauf ankommt, wie sie auf einem Familienfoto aussehen und wer neben ihnen steht, dann sagt das schon alles“, sagte er. Die Haltung seiner Regierung im Ukraine-Konflikt bezeichnete er als unverändert.
Mit Blick auf mögliche Gespräche zwischen der Ukraine, den USA und Russland über eine Friedenslösung griff er die Europäer an. „Sie versuchen, sich in den Friedensverhandlungsprozess in der Ukraine einzumischen.“
Auch mit Washington keine Entspannung
Besser läuft es aus Moskauer Sicht auch mit den USA nicht. „In der Praxis sind bislang keine wirklichen Fortschritte in den Beziehungen zu den USA zu erkennen“, sagte Lawrow.
Hinsichtlich des sogenannten Diesel-Deals solle man sich keine Illusionen machen. Die grundlegenden Fragen würden nicht gelöst.
Die Sanktionen gegen Moskau blieben in Kraft oder würden verschärft, kritisierte er. Außerdem würden weiter Waffen an Kiew geliefert.
Auch die Äußerungen des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zu Angriffen auf russische Ziele seien nicht hilfreich. Sie erschwerten die Vorbereitung neuer Gespräche.
Kallas widerspricht
Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas hielt dagegen. Lawrow habe auf dem Treffen Lügen über den Ukraine-Krieg verbreitet, sagte sie der Nachrichtenagentur AFP.
„Natürlich hat er viele Lügen, viele falsche Darstellungen vorgebracht, die wir anschließend widerlegen konnten.“ Auf die Frage, ob er Anzeichen für ein Einlenken gezeigt habe, antwortete sie mit einem Wort: „Nein.“
„Selbst wenn sie dies mit Worten behaupten würden, sprechen ihre Taten eine andere Sprache“, sagte Kallas über die russische Führung. Juli, August und September seien für Zivilisten in der Ukraine die tödlichsten Monate gewesen.
Sie forderte mehr Druck auf Moskau. Vor allem eine Waffenruhe im Schwarzen Meer müsse erreicht werden.
Streit auch über den Gast aus Warschau
Ein zweiter Konflikt lief nebenher. Lawrow nannte die Einladung Polens zu dem Treffen kontraproduktiv.
Die USA hätten Polen ohne Absprache eingeladen, sagte er russischen Nachrichtenagenturen. Das Land trage dem Treffen „nichts“ bei, und seine Wirtschaft sei für eine Teilnahme nicht groß genug.
Polen gehört der G20 nicht an. Eingeladene Gäste sind bei solchen Treffen üblich, die Auswahl trifft die Präsidentschaft.
Was Berlin von dem Treffen erwartet
Wadephul beschrieb die Beratungen im ZDF als mit einigen Teilnehmern kontrovers. Es herrsche aber ein sachlicher Ton, der dem Ernst der Lage gerecht werde.
„Alle merken, alle wissen, dass die Welt in einer außerordentlich kritischen Situation ist“, sagte er. Aufgabe der G20 sei es, „alles zu versuchen, Konflikte und Krisen zu entschärfen“.
Mit einem Durchbruch rechnete in Atlanta niemand. Die wesentlichen Streitpunkte haben meist mit Russland oder mit China zu tun, und in beiden Fällen stehen sich die Positionen unverändert gegenüber.
Das Außenministertreffen ist die Vorstufe zum eigentlichen Gipfel. Dort treffen dann die Staats- und Regierungschefs aufeinander, mit denselben Gräben.
Quellen(2)
- tagesschau.deG20-Außenministertreffen in Atlanta: Russland bleibt auf Distanz · Agentur
- DeutschlandfunkRubio fordert gemeinsames Vorgehen gegen Bedrohungen der Weltwirtschaft · Agentur
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