Führerscheinreform beschlossen: billiger erst ab Juli
Digitale Theoriestunden, weniger Sonderfahrten, kürzere Prüfungen. Der Bundestag hat den ersten Teil der Reform beschlossen. Über die Höhe der Ersparnis gehen die Angaben weit auseinander.

Der Bundestag hat am Donnerstag die Änderung des Fahrlehrergesetzes beschlossen. Die Koalitionsfraktionen stimmten dafür, die Opposition dagegen.
Es ist der erste Teil einer größeren Reform. Die übrigen Punkte sollen über Rechtsverordnungen kommen.
Dafür braucht die Regierung zusätzlich die Zustimmung des Bundesrats. Das dauert.
Was sich ändert
Theoriestunden dürfen künftig digital stattfinden. Das spart den Weg und die Miete für den Schulungsraum.
Die Zahl der vorgeschriebenen Sonderfahrten sinkt. Gemeint sind Fahrten auf der Autobahn, auf der Landstraße und bei Nacht.
Die praktische Prüfung wird kürzer. Wirksam wird all das nicht sofort.
Die Änderungen greifen ab Juli des kommenden Jahres. Wer jetzt anfängt, lernt noch nach den alten Regeln.
Worüber gestritten wird
Verkehrsminister Steffen Bilger rechnet mit einer Ersparnis von mehreren hundert Euro. Im günstigsten Fall sollen es bis zu 1000 Euro sein.
Der ADAC hält unter optimalen Bedingungen bis zu ein Drittel für möglich. Die Fahrschulverbände bezweifeln beides.
Ihr Argument ist einfach. Weniger vorgeschriebene Stunden heißt nicht weniger benötigte Stunden.
Wer die Prüfung nicht besteht, zahlt doppelt. Grüne und Linke warnen zudem vor einer Verschiebung der Kosten.
Fallen Sonderfahrten weg, kommen vielleicht reguläre Übungsstunden dazu. Sinkt die Qualität der Ausbildung, steigen später die Versicherungsprämien für Fahranfänger.
Was der Führerschein heute kostet
Die Bundesregierung geht von einem Durchschnitt um 3400 Euro aus. Erhebungen nennen bis zu 4500 Euro.
Aus Ballungsräumen wurden zu Jahresbeginn Fälle bis 6000 Euro berichtet. Diese Spanne hat drei Gründe.
Es sind die Preise der Fahrschule, die Zahl der nötigen Fahrstunden und die Region. In der Großstadt braucht ein Anfänger mehr Stunden als auf dem Land.
Und jede Stunde kostet dort mehr. Über Jahre sind die Kosten stärker gestiegen als die allgemeine Teuerung.
Der Verbraucherpreisindex für Fahrschulunterricht zeigt das als eigene Linie. Sie hat sich von der Gesamtinflation gelöst.
Warum das mehr ist als eine Preisfrage
Für junge Leute auf dem Land ist der Führerschein die Voraussetzung für Ausbildung und Arbeit. Wo der Bus dreimal am Tag fährt, entscheidet er über die erreichbare Lehrstelle.
Dagegen steht die Verkehrssicherheit. Fahranfänger sind in den Unfallstatistiken seit jeher überrepräsentiert.
Jede gestrichene Pflichtstunde muss sich an dieser Zahl messen lassen. In der Anhörung des Verkehrsausschusses im Oktober kam beides zur Sprache.
Was Fahrschüler jetzt abwägen
Wer in diesen Wochen anfängt, legt die Prüfung nach altem Recht ab. Ein Aufschub bis zum Sommer bringt die neuen Regeln.
Er kostet aber ein halbes Jahr. Dazwischen steht eine Unbekannte.
Senken die Fahrschulen ihre Preise, wenn Pflichtstunden wegfallen? Oder heben sie den Satz je Stunde an?
In keinem Gesetz steht die Antwort. Der zweite Punkt sind die Wartezeiten auf einen Prüftermin.
Sie sind in vielen Regionen der größte Engpass. Daran ändert ein kürzerer Prüfungsablauf wenig.
Über die Rechnung entscheidet am Ende die Zahl der Fahrstunden. Der Preis je Stunde entscheidet weniger.
Wer regelmäßig fährt, braucht weniger Stunden. Wer alle zwei Wochen einen Termin bekommt, braucht mehr.
Was die Reform nicht ändert
Die Gebühren für die Prüfung bleiben, wie sie sind. Sie gehen an die technischen Prüfstellen und an die Fahrerlaubnisbehörde.
Die Fahrschule bekommt davon nichts. An den Durchfallquoten ändert das Gesetz unmittelbar ebenfalls nichts.
Jede nicht bestandene Prüfung kostet die Gebühr erneut. Meist kommen zusätzliche Fahrstunden dazu.
Genau diese Wiederholungen treiben die Rechnung nach oben. Unberührt bleibt auch das begleitete Fahren ab siebzehn.
Es gilt seit 2011 im ganzen Bundesgebiet. Auswertungen der Unfallforschung zeigen ein geringeres Risiko in den ersten Jahren.
Der Rahmen kommt aus Brüssel
Die europäische Führerscheinrichtlinie lässt den Mitgliedstaaten Spielraum. Es geht um den Umfang der Ausbildung und die Form der Prüfung.
Deutschland hat diesen Spielraum bisher eng ausgelegt. Darin liegt das stärkste Argument der Befürworter.
Andere Länder bilden mit weniger Pflichtstunden aus. Schlechtere Unfallzahlen haben sie deswegen nicht.
Die Gegenseite hält dagegen. Straßen, Verkehrsdichte und Ausbildung ließen sich nicht einzeln vergleichen.
Was als Nächstes passiert
Die Verordnungen stehen noch aus. Sie regeln Theorieunterricht, Prüfungsablauf und Ausbildungsinhalte.
Erst damit steht fest, wie viele Stunden wirklich wegfallen. Ob der Führerschein billiger wird, entscheidet sich dann nicht im Gesetzblatt.
Es entscheidet sich in den Preislisten der Fahrschulen. Dort wird im kommenden Sommer nachzurechnen sein.
Eine Zahl wird dabei zählen. Es ist der Durchschnittspreis eines Führerscheins im Sommer nach der Umstellung.
Die Reform betrifft den Autoführerschein der Klasse B. Für Motorrad und Lastwagen gelten eigene Regeln.
Auch der Umtausch alter Papierführerscheine läuft davon getrennt weiter. Die Fristen dazu stehen seit Jahren fest.
Quellen(5)
- Deutscher BundestagFahrschulausbildung soll reformiert werden · Amtliche Stelle
- Deutscher BundestagAnhörung zur Führerscheinreform im Verkehrsausschuss · Amtliche Stelle
- BundesregierungKabinett startet Reform der Fahrschulausbildung · Amtliche Stelle
- Berliner ZeitungFührerschein-Reform: So sollen Fahrschüler künftig sparen · Agentur
- Statistisches Bundesamt, aufbereitet von StatistaVerbraucherpreisindex für Fahrschulunterricht und Führerscheingebühren · Studie
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