Fünfter Kriegswinter: Verhandeln, während die Front steht
In Abu Dhabi soll im November die nächste von Washington vermittelte Runde stattfinden. Europäische Vertreter sollen nicht am Tisch sitzen. In Dnipro und Rjasan schlagen weiter Drohnen ein.

Der fünfte Kriegswinter beginnt mit einem Termin. Eine Waffenruhe gibt es nicht.
In Abu Dhabi soll im November die nächste Runde stattfinden. Vermittelt wird sie von den Vereinigten Staaten.
Wladimir Putin hat einer Wiederaufnahme grundsätzlich zugestimmt. Der Kreml erklärt zudem, Moskau und Washington wollten ohne europäische Vertreter verhandeln.
Der Streit um den Tisch
Das ist der erste Konflikt vor dem Konflikt. Giorgia Meloni fordert eine klare europäische Vertretung.
Deutschland, Frankreich und Großbritannien stehen hinter dieser Linie. Ihre Begründung ist praktisch, nicht symbolisch.
Jede Sicherheitsgarantie müsste von europäischen Staaten getragen werden. Die EU zahlt außerdem gerade wieder Milliarden an Kiew.
Moskau hält dagegen. Die Entscheidungen fielen in Washington.
Kiew will zwischen beiden Positionen nicht wählen. Die amerikanische Vermittlung ist die einzige, die Russland annimmt.
Was auf dem Tisch liegt
Deutschland, Frankreich, Großbritannien und die Ukraine haben Putin zu einer sofortigen Waffenruhe aufgerufen. Ausgangspunkt soll der heutige Frontverlauf sein.
Für Moskau ist das die Kernfrage. Es ist zugleich die Grenze.
Russland beansprucht Gebiete, die seine Truppen nicht halten. Die Ukraine hält Gebiete, auf die Russland nicht verzichtet.
Wolodymyr Selenskyj drängt auf schnelle Fortschritte. In den Hauptfragen liegen beide Seiten weit auseinander.
Die Lage an der Front
Die ukrainische Gegenoffensive läuft seit Februar. Sie betrifft Teile der Gebiete Dnipropetrowsk, Saporischschja und Donezk.
Aus der Anfangsphase ist belegt, dass Kiew mehr Gelände gewann als verlor. Wie die Linie heute verläuft, lässt sich von außen nicht genau sagen.
Die Angriffe gehen in beide Richtungen weiter. Am Donnerstag meldete die ukrainische Seite Drohnentreffer in Dnipro.
Die russische Seite meldete Treffer auf Industrieanlagen in Rjasan. Aus der Region Luhansk wurden Tote gemeldet.
Wie in den Vorjahren zielen die russischen Angriffe auf die Energieversorgung. Ein beschädigter Umspannpunkt ist im November eine Frage von Heizung und Wasser.
Warum der Winter zählt
Der Winter entscheidet über mehr als die Temperatur. Gefrorener Boden trägt schweres Gerät.
Die langen Nächte verlängern die Zeit, in der Drohnen schwer zu entdecken sind. Für die Zivilbevölkerung zählt vor allem der Strom.
Fällt ein Umspannwerk aus, steht in einer Großstadt mehr still als das Licht. Heizung, Wasserpumpen und Mobilfunk hängen daran.
Die Reparaturen laufen seit vier Jahren nach demselben Muster. Transformatoren kommen aus Europa, die Arbeiten dauern Tage.
Danach trifft der nächste Angriff oft dieselbe Anlage. So geht das seit dem ersten Kriegswinter.
Warum ausgerechnet jetzt verhandelt wird
Drei Entwicklungen treffen zusammen. Der Krieg am Golf bindet amerikanische Mittel und Aufmerksamkeit.
In Washington hat sich die Lage im Kongress nach den Zwischenwahlen verschoben. Und der Winter bremst Bewegungen an der Front ohnehin.
Für Moskau kommt die Rechnung des Ölpreises dazu. Ein Fass Brent über 90 Dollar finanziert den Haushalt.
Fällt der Preis mit einer Einigung am Golf, wird der Krieg teurer. Diese Rechnung kennt der Kreml so gut wie jeder Händler.
Was eine Waffenruhe technisch verlangt
Eine Waffenruhe ist kein Datum. Sie ist ein Verfahren.
Sie braucht eine festgelegte Linie. Sie braucht Meldewege für Verstöße und eine Stelle, die beides überwacht.
Daran sind frühere Versuche gescheitert. Ohne Beobachter vor Ort steht nach dem ersten Artilleriefeuer Aussage gegen Aussage.
Dann hat jede Seite Gründe, die Vereinbarung für gebrochen zu halten. Hinzu kommt die Frage der Reichweite.
Gilt eine Ruhe nur für die Front? Oder auch für Drohnen und Raketen auf Städte und für Angriffe auf Schiffe im Schwarzen Meer?
Das Geld aus Brüssel
Die EU hat erneut Milliarden an Kiew ausgezahlt. Diese Mittel decken Gehälter, Renten und den laufenden Staatsbetrieb.
Die Rüstung bezahlen sie nicht. Für Moskau ist das trotzdem ein Rechenfaktor.
Solange der Haushalt der Ukraine von außen getragen wird, führt militärischer Druck allein nicht zum Zusammenbruch. Darauf setzt die russische Führung seit Jahren.
Zu dieser Rechnung gehört auch das Schwarze Meer. Über die Häfen bei Odessa läuft ein großer Teil der Getreideausfuhr.
Jeder Treffer dort kostet Deviseneinnahmen. Das Land braucht sie für seinen Haushalt.
Woran sich der November messen lässt
Der Termin in Abu Dhabi ist bisher eine Ankündigung. Ob er zustande kommt, sagt mehr als jede Erklärung aus den Hauptstädten.
Zwei weitere Punkte sind beobachtbar. Setzen die Angriffe auf das Stromnetz aus, solange verhandelt wird?
Und sitzt am Ende ein europäischer Vertreter im Raum? Beides lässt sich nicht verhandeln, ohne dass es sichtbar wird.
Der Krieg dauert nun fast fünf Jahre. Er begann im Februar 2022.
Quellen(3)
- ZDFheuteUkraine-Krieg im Liveticker · Agentur
- Landeszentrale für politische Bildung Baden-WürttembergRussland-Ukraine-Krieg: Verlauf, Chronik und Hintergrund · Amtliche Stelle
- Wikipedia2026 Ukrainian counteroffensive · Eigene Recherche
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