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Finanzen

Vier Prozent Inflation: Die EZB vor dem nächsten Schritt

Energie verteuerte sich im Oktober um 20,8 Prozent. Die Kernrate blieb bei 2,5. Am 17. Dezember entscheidet der EZB-Rat erneut, und die Märkte rechnen mit einem weiteren Schritt nach oben.

3 Min. Lesezeit
Das Gebäude der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt am Main. Die Entscheidung über den Leitzins steht im Fokus, nachdem die Inflation im Euroraum deutlich gestiegen ist.
Foto: LePost

Die Preise im Euroraum lagen im Oktober vier Prozent über dem Vorjahr. Das ist der höchste Stand seit dem Winter 2023.

Hinter dieser Zahl stecken zwei verschiedene Entwicklungen. Energie verteuerte sich binnen eines Jahres um 20,8 Prozent.

Die Kernrate blieb bei 2,5 Prozent. Sie lässt Energie und Nahrungsmittel außen vor.

Warum dieser Unterschied zählt

Eine Notenbank kann den Ölpreis nicht senken. Sie kann nur etwas anderes verhindern.

Aus einem teuren Fass darf keine Preisspirale werden. Löhne und Preise dürfen sich nicht gegenseitig hochschieben.

Genau dafür steht die Kernrate. Solange sie bei 2,5 Prozent liegt, ist der Schub ein Energieproblem.

Ein Lohnproblem ist er nicht. Die EZB sieht das ähnlich.

Sie benennt aber ein Risiko. In ihrer Erklärung von Ende Oktober stehen die gestiegenen Energiepreise als Aufwärtsrisiko.

Wo die Zinsen stehen

Der Einlagesatz liegt bei 2,50 Prozent. Zu diesem Satz parken Banken ihr Geld bei der Notenbank.

Dorthin kam er in zwei Schritten. Im Juni und im September ging es um je 0,25 Punkte nach oben.

Beide Schritte waren eine Antwort auf den Teuerungsschub. Bei der Sitzung Ende Oktober blieb es dann dabei.

In manchen Übersichten steht die Zahl 2,65 Prozent. Das ist der Hauptrefinanzierungssatz.

Beide Werte heißen umgangssprachlich Leitzins. Bei Sparzinsen ist fast immer der Einlagesatz gemeint.

Was im Dezember ansteht

Die nächste Sitzung des EZB-Rats ist für den 17. Dezember angesetzt.

An den Terminmärkten wird ein weiterer Schritt eingepreist. Die Wahrscheinlichkeit für 0,25 Punkte liegt bei 88 Prozent.

Diese Zahl ist kein Beschluss. Sie ist eine Wette von Händlern, die damit Geld verdienen wollen.

Fällt der Ölpreis weiter, kann die Erwartung kippen. In dieser Woche ist er bereits gefallen.

Warum zwei Prozent das Ziel sind

Die EZB verfolgt mittelfristig ein Ziel von zwei Prozent. Es gilt nach oben und nach unten gleich.

Vier Prozent liegen doppelt so hoch. Darin liegt der Grund für jeden Schritt der vergangenen Monate.

Mittelfristig heißt nicht: in diesem Monat. Geldpolitik wirkt mit vier bis sechs Quartalen Verzögerung.

Eine Erhöhung im Dezember betrifft also die Preise des Jahres 2028. Das macht jede Entscheidung zu einer Wette auf die Zukunft.

Was das für Sparer bedeutet

Tagesgeld und Festgeld folgen dem Einlagesatz. Nach oben folgen sie langsamer als nach unten.

Die höchsten Zinsen bieten Banken, die neues Geld einsammeln wollen. Die eigene Hausbank gehört selten dazu.

Entscheidend ist der Realzins. Das ist der Abstand zur Inflationsrate.

Bei vier Prozent Teuerung und drei Prozent Zinsen verliert ein Guthaben an Wert. Der Kontostand wächst trotzdem.

Was das für Kreditnehmer bedeutet

Baufinanzierungen hängen nicht am Leitzins. Sie hängen an den Renditen langlaufender Anleihen.

Die sind nach der Oktober-Sitzung gestiegen. Die Märkte erwarten weitere Schritte.

Für eine Anschlussfinanzierung heißt das: Ein Forward-Darlehen kostet heute mehr Aufschlag als im Frühjahr. Wer variabel finanziert hat, spürt jede Erhöhung sofort in der Rate.

Für Bauherren zählt am Ende nicht der Leitzins. Es zählt der Satz im Angebot ihrer Bank.

Dazwischen liegen die Marge des Hauses und die Bewertung des Objekts. Auch die Höhe des Eigenkapitals gehört dazu.

Was der Wechselkurs damit zu tun hat

Höhere Zinsen machen Anlagen in Euro attraktiver. Ein festerer Euro verbilligt alles, was eingeführt wird.

Öl wird in Dollar abgerechnet. Deshalb ist der Wechselkurs der zweite Hebel an der Energierechnung.

Diese Wirkung ist schwächer als die auf die Kredite. Sie setzt aber sofort ein.

Was an den Märkten davon ankommt

Steigende Zinsen belasten Aktien doppelt. Anleihen werfen wieder etwas ab, und Kredite für Unternehmen werden teurer.

In diesem Jahr kommt der Energiepreis dazu. Er drückt die Gewinne.

Die Spreizung zwischen den Branchen ist groß. Versorger und Rüstung stehen auf der einen Seite, energieintensive Industrie und Konsumgüter auf der anderen.

Der Zielkonflikt, der im Dezember auf dem Tisch liegt

Die Wirtschaft im Euroraum wächst schwach. Höhere Zinsen bremsen sie zusätzlich.

Niedrigere Zinsen würden die Energiepreise nicht senken. Sie würden den zweiten Durchgang durch Löhne und Mieten erleichtern.

Zwischen diesen beiden Fehlern muss der Rat wählen. Seine Linie steht in zwei Schritten in sechs Monaten: vorsichtig, aber nicht abwartend.

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Quellen(4)
  1. onvistaInflation im Euroraum steigt auf 4,0 Prozent · Agentur
  2. Europäische ZentralbankGeldpolitische Erklärung, Pressekonferenz vom 29. Oktober 2026 · Amtliche Stelle
  3. biallo.deEZB-Leitzins: Entwicklung und aktueller Stand · Eigene Recherche
  4. HaufeZweite EZB-Zinserhöhung 2026: Inflation zwingt zur Straffung · Eigene Recherche

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